Von Burgen, Baguettes und Begeisterung – Mit dem Förderverein auf Abenteuerreise durch die Normandie vom 18.-22.06.2025

Von Burgen, Baguettes und Begeisterung – Mit dem Förderverein auf Abenteuerreise durch die Normandie vom 18.-22.06.2025

Fünf Tage, über 1000 Jahre Geschichte, zahlreiche archäologisch bedeutende Orte und eine Gruppe begeisterter Archäologiefreunde auf den Spuren von Rittern, Mönchen und Königreichen bis zu Wilhelm dem Eroberer – das war die Exkursion 2025 des Fördervereins des Museums für Archäologie und Kultur in Herne.

18. Juni – Von Herne zu den Herren der Ruinen

Pünktlich um 6:45 Uhr versammelte sich eine erstaunlich wache Reisegruppe am LWL-Museum für Archäologie und Kultur in Herne, bereit für fünf Tage Kulturgenuss, Geschichte und – wie sich herausstellen sollte – eine beeindruckende Croissant-Dichte.

Erster Halt: das Château de Coucy in Coucy-le-Château-Auffrique. Unter fachkundiger Führung von Dr. Stefan Leenen erkundeten wir das Gelände. Einst eine der mächtigsten Burgen Europas, wurde sie im 14. Jahrhundert zur Demonstration adliger Macht errichtet – mit einem Wohnturm, der höher war als der des französischen Königs! Die Botschaft war deutlich. Leider wurde die Festung 1917 von deutschen Truppen gesprengt, aber noch heute erinnern die imposanten Ruinen und ein fast trotziger Charme an eine Epoche, in der Status aus Stein bestand.

Am Abend fanden wir im Hôtel Moderne in Gisors unser Quartier. Bei gutem Essen und angeregten Gesprächen klang der Tag in heiterer Runde aus, und die Vorfreude auf die kommenden gemeinsamen Entdeckungen wuchs spürbar.

Tag 1: Château de Coucy, am Abend: erste Eindrücke des Städtchens Gisors. Fotos: Silke Vierkötter (1-4; 9;10), Kerstin Schierhold (5-8; 11-15)

19. Juni – Tempelritter, Jeanne d’Arc und ein Hafen wie gemalt

Am Morgen erwartete uns das Château de Gisors – historisch umstritten, aber sagenumwoben. Die imposante Turmhügelburg gilt als eine der letzten Rückzugsorte des Templerordens. Der Kastellan der Burg, Roger Lhomoy,  berichtete im Jahr 1946 von seinen Nachforschungen unter der heutigen Burg, wo er eine Kapelle mit Steinsarkophagen und metallenen Truhen gefunden haben wollte. Der Inhalt? Bis heute ein Rätsel, denn der Bürgermeister des Ortes ließ die vom Einsturz bedrohten Gänge, die Lhomoy gegraben hatte, ohne Überprüfung umgehend zuschütten. – Uns blieb genügend Zeit, das Gelände und die heute zugänglichen Teile der Burg zu entdecken.

Danach ging es weiter nach Rouen, der Hauptstadt der historischen Normandie. Hier wurde Jeanne d’Arc 1431 zum Tode verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Auf unserem Rundgang mit dem wie immer großartigen Stefan Leenen lernten wir nicht nur die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern kennen, sondern erfuhren auch viel zur historischen Bedeutung dieser Stadt als wirtschaftliches und religiöses Zentrum des Mittelalters.

Am Nachmittag erreichten wir Honfleur, ein Ort wie aus einem impressionistischen Gemälde. Kein Wunder: Maler wie Claude Monet und Eugène Boudin ließen sich hier inspirieren. Wir genossen die malerische Hafenstadt bis in den Abend hinein, entweder auf eigene Faust oder wiederum mit fachkundiger Führung durch Stefan Leenen.

Château de Gisors, Rouen und der Hafen von Honfleur. Fotos: Silke Vierkötter (1-5; 7, 8), Kerstin Schierhold (6, 9)

20. Juni – Von jungsteinzeitlichen Gräbern und mittelalterlichen Wandteppichen

Erster Halt: das Megalithgrab La Pierre Tourneresse bei Cairon. Dr. Kerstin Schierhold erläuterte uns die Anlage. Mit über 5000 Jahren Geschichte ist das Grab älter als die Pyramiden. Wer sich fragte, wie Menschen ohne moderne Technik solche Steinmassen bewegen konnten, erhielt zumindest eine Ahnung – und großen Respekt.

Danach: eine der schönsten Arten, sich der Kultur zu nähern – kulinarisch. Beim Bäckerbesuch im Ort  war die Ausbeute an Quiche, Éclairs und Pain au Chocolat beachtlich. Im Anschluss: Besuch des Musée de Normandie im Château de Caen, gegründet von Wilhelm dem Eroberer. In dieser mächtigen Burg (eine der größten Europas!) wird die Geschichte der Normandie vom Neolithikum bis zur Neuzeit erlebbar gemacht. Highlight: die archäologischen Funde aus Gräbern, Siedlungen und Handelskontakten von über 7000 Jahren.

Noch ein Highlight (ja, davon gab es viele): der Besuch des Musée de la Tapisserie in Bayeux. Der über 70 Meter lange, handgearbeitete Teppich von Bayeux erzählt wie ein mittelalterlicher Comic die Geschichte der normannischen Eroberung Englands im Jahr 1066. In langen Bildstreifen folgt man Wilhelm dem Eroberer und seinem Rivalen Harald Godwinson: Man sieht Bündnisse, politische Ränkespiele, die Überfahrt über den Ärmelkanal und schließlich die berühmte Schlacht bei Hastings. Zwischen Rittern, Pferden, Schiffen und festlichen Szenen laufen oben und unten kleine Tiere und Fabelwesen mit – fast so, als würde jemand nebenbei noch Randnotizen zeichnen. So entsteht ein lebendiges, manchmal erstaunlich alltägliches Bild dieser großen historischen Wende. Dieses beeindruckende Werk ist nun für zwei Jahre in der Restaurierung – wir hatten das Glück, es zuvor bewundern zu können. Übrigens: Fotos waren zum Schutz des wertvollen Kulturerbes nicht erlaubt, daher gibt es nur einen kleinen Postkartenausschnitt in unserer Bildergalerie 😉

Die geplante Fahrt zum Omaha Beach, Schauplatz der Alliierten-Landung 1944, musste leider ausfallen – nicht aus Mangel an Interesse, sondern wegen logistischer Hürden (Busse vs. schmale Straßen, nicht nur in Frankreich eine Herausforderung). Dafür gab es einen entspannten Ausklang in Villedieu-les-Poêles, bekannt für seine Glockengießerei-Tradition seit dem Mittelalter. Wer mochte, konnte nach dem geselligen Abend noch die Innenstadt unweit unseres Hotels erkunden.

Megalithgrab La Pierre Tourneresse, Musée de Normandie Caen, Musée de la Tapisserie Bayeux. Fotos: Silke Vierkötter (1-4; 6), Kerstin Schierhold (5; 7-11)

21. Juni – Himmlische Höhen und musikalische Überraschungen

Der Tag begann mit einem Paukenschlag: dem Besuch des Mont-Saint-Michel, auch als Wunder des Abendlandes bezeichnet und zusammen mit der Bucht, in der er liegt, Unesco-Weltkulturerbe seit 1979. Diese auf einem Felsen im Wattenmeer thronende Abtei war über Jahrhunderte Pilgerstätte, Festung oder auch Gefängnis – je nachdem, wer gerade regierte. Der Weg hinauf ist mühsam, die Aussicht dafür fantastisch. Ein Ort zwischen Himmel und Erde.
Rund um die Insel zeigt sich die Natur von ihrer dramatischen Seite: Der Tidenhub gehört hier zu den stärksten in Europa. Innerhalb weniger Stunden zieht sich das Meer kilometerweit zurück, nur um später mit erstaunlicher Geschwindigkeit wiederzukehren. Bei Ebbe ist der Mont-Saint-Michel zu Fuß durch das Watt erreichbar, bei Flut wird er so zur Insel – ein Schauspiel, das die Besucher seit Jahrhunderten in seinen Bann zieht. Einige von uns wagten es sogar, den Mont-Saint-Michel einmal vollständig zu umrunden – eine eindrucksvolle Erfahrung, die den Wechsel von Nähe und Distanz zu diesem Bauwerk besonders spürbar machte.

Der Mont-Saint-Michel. Fotos: Kerstin Schierhold (1, 2), Silke Vierkötter (3, 4)

Auf dem Weg nach Évreux machten wir Halt in Falaise, dem Geburtsort von Wilhelm dem Eroberer,  einer der einflussreichsten Persönlichkeiten des Mittelalters. Die dortige Burg wurde von ihm gegründet, später von seinen Nachfolgern ausgebaut. Wer wollte, konnte die Burg besteigen – der Rest erkundete das Städtchen.

Abends in Évreux: nicht nur leckeres Essen in einem gemütlichen Lokal, sondern auch noch eine ungeahnte Überraschung: ein echtes französisches Musikfest (Fête de la Musique) wurde gefeiert. Der ganze Ort vibrierte – und wir mittendrin. Wer hätte gedacht, dass wir abends noch zu Jazz, Rock und Klassik tanzen würden? Ein wunderbarer Ausklang des beeindruckenden Tages.

Die Burg von Falaise, dem Geburtsort Wilhelm des Eroberers. Foto: Kerstin Schierhold

22. Juni – Abschied mit Ausblick

Schon der letzte Tag unserer Reise – aber es ging noch weiter mit den Highlights: Château Gaillard in Les Andelys bot beeindruckende Ausblicke und dramatische Geschichte. Erbaut wurde es von Richard Löwenherz, dem König von England und Kreuzritter, um die Seine zu kontrollieren. Die Burg war ein Meisterwerk mittelalterlicher Militärarchitektur, hielt aber der Belagerung durch Philipp II. von Frankreich nur kurz stand. Eindrucksvoll bis heute ist sie dennoch. Letzter Halt: die gewaltige Cathédrale Saint-Pierre de Beauvais. Diese gotische Kirche ist berühmt für ihr kühn in die Höhe strebendes, aber statisch problematisches Konzept – mit einem Chor, der als der höchste der Welt gilt. Das Bauwerk war vielleicht zu wagemutig geplant und stürzte teilweise ein, doch bis heute steht es als beeindruckendes Zeugnis menschlichen Glaubens, ehrgeiziger Visionen und architektonischem Drang, den Himmel mit Steinen zu erreichen.

Zum guten Schluss: Château Gaillard in Les Andelys und die Kathedrale von Beauvais. Fotos: Silke Vierkötter

Mit den Köpfen voller Geschichten, den Erinnerungen an genussreiche und unterhaltsame  Abende bei gutem Essen und Wein und mit vollen Herzen traten wir die Heimreise nach Herne an.

Und jetzt? Mitglied werden!

Diese Reise zeigt: Geschichte lebt, wenn man sie erlebt. Wer bei einer solchen Exkursion dabei ist, spürt: Kultur verbindet. Sie weckt Fragen, schärft den Blick für Zusammenhänge, inspiriert. Genau das macht der Förderverein des Museums für Archäologie und Kultur in Herne möglich – mit Veranstaltungen, Vorträgen und solchen einzigartigen Reisen. Werden Sie Teil davon und unterstützen Sie das Museum, entdecken Sie Geschichte neu und genießen Sie Kultur in Gemeinschaft!

Ein Bericht von Silke Vierkötter